Projekte

Die Zusammenarbeit mit engagierten Projektpartnern ermöglicht es der Stiftung Natur & Wirtschaft regional Schwerpunkte zu setzen.

Das Forschungsprojekt «SMARTRoofs» untersucht Solar-Gün-Dächer

Das Forschungsprojekt «SMARTRoofs» untersucht Solar-Gün-Dächer

Die Stiftung Natur & Wirtschaft beteiligt sich am Forschungsprojekt «SMARTRoofs» der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW zu den Auswirkungen von Solar-Grün-Dächern auf die Biodiversität.

Flachdächer können und sollen begrünt werden

Begrünte Flachdächer leisten einen Beitrag zur Biodiversität, wirken als Wasserspeicher, isolieren das Gebäude und sorgen damit für einen geringeren Energieverbrauch. Flachdächer können auch für die Gewinnung von Solarenergie mittels Fotovoltaik genutzt werden. Während man bis vor Kurzem davon ausging, man müsse sich für ein Gründach oder für ein Solardach entscheiden, können die beiden sinnvollen Massnahmen heute gut kombiniert werden.

Neue Erkenntnisse zur Konzeption von Solar-Grün-Dächer

Damit solche «SMARTRoofs» mehr Verbreitung finden, unterstützt das Bundesamt für Umwelt ein Forschungsprojekt der ZHAW, das sich mit dem ökologischen Potenzial solcher Kombidächer befasst. In städtischen Gebieten können begrünbare Flachdächer bis zu 15 Prozent der Arealfläche ausmachen und spielen daher eine wichtige Rolle bei der Förderung der einheimischen Artenvielfalt.
Anhand von Best-Practice-Beispielen wird gezeigt, dass und wie Grün- und Solardach kombiniert werden können. Diese Erkenntnisse sollen in die Konzeption von Fotovoltaik-Anlagen, in Musterbaureglemente, SIA-Normen und Labelvorgaben einfliessen.

Käferanalyse gibt Auskunft

Untersucht wird die Biodiversität mittels Insektenfallen auf mehreren Testdächern. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse vorkommender Käferarten. Auch auf einigen Dächern, die das Label der Stiftung Natur & Wirtschaft tragen, wird die Artenzusammensetzung der Käfer analysiert.

«SMARTRoofs» ist ein Projekt im Rahmen des Aktionsplans zur Umsetzung der Strategie Biodiversität Schweiz und wird vom Bundesamt für Umwelt finanziert.
 
Mehr zum Thema artenreiche Dachbegrünungen: 
Merkblatt«Aufwertung von extensiven Dachbegrünungen»

Projekt SMARTRoofs, ZHAW

Mehr Artenvielfalt in den Wohnsiedlungen der MPK dank naturnaher Planung und Aufwertung

Mehr Artenvielfalt in den Wohnsiedlungen der MPK dank naturnaher Planung und Aufwertung

2014 hat die Migros-Pensionskasse* MPK ihre erste naturnahe Wohnsiedlung durch die Stiftung Natur & Wirtschaft auszeichnen lassen. Mittlerweile sind vier Wohnsiedlungen der MPK zertifiziert. Das Ziel, Aussenräume naturnah zu gestalten und zu pflegen, ist seit 2019 in allen Prozessen der MPK integriert, so zum Beispiel in den Sanierungsrichtlinien oder in den Vorgaben für Neubauten. Dabei wurde auch das Bewirtschaftungshandbuch und das Handbuch für Hauswartungen aktualisiert und der Bedarf an entsprechenden Schulungen für die Hauswartinnen und Hauswarte überprüft.

Bis 2030 sollen 16 Prozent der Umgebungsfläche naturnah sein. Heute sind es rund 4 Prozent. Nicht nur neue oder zu sanierende Grundstücke sollen aufgewertet werden, sondern auch bestehende, wo dies Sinn macht. Am Beispiel der Wohnsiedlung Meilibachweg in Horgen spielte die MPK die naturnahe Aufwertung einer bestehenden Wohnsiedlung modellhaft durch.

Aufwertung Wohnsiedlung Meilibachweg

Die MPK setzte sich zum Ziel den Aussenraum der konventionell gestalteten Siedlung so aufzuwerten, dass dieser die Kriterien der Stiftung Natur & Wirtschaft erfüllt. Dabei waren neben dem Mehrwert für die Natur vor allem zwei Punkte zu beachten: Die Pflege durfte insgesamt nicht aufwendiger werden, und die Aufwertungen sollten von den Mieterinnen und Mietern akzeptiert und als Mehrwert betrachtet werden.

Die Stiftung Natur & Wirtschaft begleitete die Aufwertung und stand in engem Kontakt mit dem zuständigen Bewirtschafter, dem Hauswart vor Ort sowie mit dem Gartenbaubetrieb, der für grössere Aufgaben hinzugezogen wurde. Im September 2020 konnte die naturnah aufgewertete Wohnsiedlung durch die Stiftung ausgezeichnet werden.

Begleitung und Schulung sind zentral

Der zuständige Bewirtschafter sieht im Projekt einen Weg, den es gemeinsam zu gehen gilt: «Am Anfang gibt es einen gewissen Implementierungs- und Umgewöhnungsaufwand. Nach zwei bis drei Jahren wird der Aufwand sinken. Alle Beteiligten müssen eng zusammenarbeiten und verstehen, was wir erreichen wollen.»

Für den Hauswart bedeutet die Aufwertung nicht nur, dass er neuartige Lebensräume zu pflegen hat, sondern auch, dass er keine Pestizide mehr verwenden darf und in Zukunft auf neue Methoden beispielsweise zur Unkrautbekämpfung setzt. Eine entsprechende Schulung und die weitere Begleitung durch einen Naturgartenexperten der Stiftung sind deshalb zentral und machen eine optimale Entwicklung des naturnahen Aussenraumes erst möglich.
 
*Anlagestiftung der Migros-Pensionskasse Immobilien

Beitrag zum Engagement der MPK in der Kundenzeitschrift

Die Familienheim-Genossenschaft Zürich FGZ bringt Natur in den Siedlungsraum

Die Familienheim-Genossenschaft Zürich FGZ bringt Natur in den Siedlungsraum

Das bisher grösste Zertifizierungsprojekt der Stiftung

Die Siedlungen der Familienheim-Genossenschaft Zürich FGZ im Quartier Friesenberg werden auf Grund der vorbildlichen naturnahen Gestaltung mit dem Zertifikat der Stiftung Natur & Wirtschaft als «naturnahes Wohnareal» ausgezeichnet. 
 
Bei den FGZ-Siedlungen mit insgesamt über 2200 Wohneinheiten handelt es sich nicht nur um das grösste von der Stiftung durchgeführte Zertifizierungsprojekt. Es ist auch schweizweit die erste durch die Stiftung Natur & Wirtschaft zertifizierte Wohnbaugenossenschaft. 
Alle 25 Bauetappen der FGZ sind Teil des Projekts. Somit wird die gesamte Siedlungsgenossenschaft die Anforderungen einer naturnahen Umgebung erfüllen.  
 
Die Experten der Stiftung stehen im Austausch mit den Leitern des Gärtnerteams sowie mit der Aussenraumkommission. Bei gemeinsamen Begehungen und Diskussionen werden Massnahmen besprochen, welche die Förderung der Biodiversität in der Siedlung effizient und kostengünstig ermöglichen. Diese Zusammenarbeit hat sich als sehr fruchtbar und konstruktiv erwiesen. 

Eine Freude für Natur und Bewohner

Eine Massnahme beinhaltet zum Beispiel, dass bei der Auswahl von Pflanzen möglichst weitgehend einheimische Arten gewählt und sich stark ausbreitende exotische Arten ersetzt werden. So entstehen für die heimische Tierwelt ein besseres Nahrungsangebot und zusätzlicher Lebensraum. Ausserdem werden eintönige Grünflächen farbenfrohen Wiesen weichen.  
 
In der Siedlung Grünmatt zum Beispiel finden Insekten und Vögel in der Wildobsthecke Lebensraum und Nistplätze. Diese Hecke strukturiert die ganze Siedlung und umzäunt die privaten Gärten. 

Die Förderung der Biodiversität in den Siedlungen kommt auch den Bewohnerinnen und Bewohnern zugute. Durch den naturnahen Aussenraum entsteht ein abwechslungsreiches Wohnumfeld mit Gelegenheiten für Tierbeobachtungen und Naturerlebnisse. Zudem gibt es in der Siedlung Brombeeriweg sieben «Inseln», die unterschiedlichen Nutzungen dienen. Diese sind heute Spielplätze, Nutzgärten und Kompostanlagen. Ändern sich die Nutzungswünsche, können auch Anpassungen vorgenommen werden.

(Foto: Hans-Jürg Baum)

Biodiversität auf den Arealen der Industriellen Werke Basel IWB

Biodiversität auf den Arealen der Industriellen Werke Basel IWB

Die IWB betreiben ihre Kraftwerke in der Region Basel gemäss den Kriterien des Vereins für umweltgerechte Energie VUE. Zudem arbeiten die IWB bei Bau, Unterhalt und Pflege mit Fachleuten für Natur- und Artenschutz zusammen, unter anderem mit der Stiftung Natur & Wirtschaft.

Wertvolle Areale zertifiziert

Das alte Reservoir Bruderholz, das Wasserreservoir Wenkenhof, das Werkareal Kleinhünigen und das Holzkraftwerkt Basel bieten mit ihren naturnahen Elementen wie begrünten Flächdächern, Hecken, Magerwiesen, Waldsäumen sowie mit Naturmodulen wie Fledermauskästen wertvollen Lebensraum für Flora und Fauna. Damit sind diese Areale schon lange mehr als auszeichnungswürdig.
Fast noch beeindruckender ist die «Lange Erle», ein innerstädtisches Naherholungs- und Trinkwasserschutzgebiet mit Feuchtbiotopen, Uferböschungen, Obstgärten, grossen Hecken und eichenreichem Laubmischwald. Es beherbergt seltene Flechten, Fledermäuse, bedrohte Amphibien, viele Libellen- und Heuschreckenarten, Pirole, Mittelspechte, Wild und sogar Feldhasen.

Prunkstück Lange Erle

Das prominenteste Grundstück in IWB-Besitz ist wie erwähnt das Gebiet der «Langen Erle». Auf dem riesigen Areal produziert IWB rund 50 Prozent des Trinkwassers für den Kanton Basel-Stadt und die Gemeinde Binningen. In einem weltweit einzigartigen Aufbereitungsprozess wird das natürlich vorhandene Grundwasser mit Wasser aus dem Rhein angereichert. Über elf bewaldete Wässerstellen versickert vorgefiltertes Rheinwasser und wird dabei durch Mikroorganismen auf natürliche Weise gereinigt. Beim Absinken vermischt es sich mit dem natürlich vorhandenen Grundwasser. Die Wässerstellen werden jeweils zehn Tage lang kontinuierlich geflutet und danach zwanzig Tage lang trocken gehalten. Diese Wässerstellen sind von Bäumen und Sträuchern bewachsen, die einen natürlichen Schattenwurf garantieren und damit das Bodenklima regulieren.
Fünf IWB-Mitarbeitende sind in Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden für die Pflege der Naturflächen zuständig. Jede Wässerstelle muss nach einer gewissen Zeit aufgeforstet werden. Das Zeitintervall hängt in erster Linie vom Lebensalter der Bäume ab. Im Jahr 2015 hat IWB die Wässerstelle Hüslimatten erneuert. In Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Riehen wurden die rund 40 Jahre alten Hybrid-Pappeln gefällt und im IWB-eigenen Holzkraftwerk Basel zur Wärmegewinnung weiterverwertet. Hybrid-Pappeln werden heute nicht mehr gepflanzt, da ihre Lebensdauer vergleichsweise kurz ist und sie in Basel nicht heimisch sind. Mit der Unterstützung von Asylbewerbern haben die IWB-Mitarbeitenden die Wässerstelle von weiterem Geäst befreit und anschliessend neue, heimische Bäume und Sträucher gepflanzt. In Folge der neuen Bepflanzung muss die Wässerstelle Hüslimatten in Zukunft nur noch alle 80 Jahre aufgeforstet werden.

IWB Tafel «Die Hecke»

Besseres Mikroklima in der ARA

Besseres Mikroklima in der ARA

Aussenräume auf Betriebsarealen bieten eine wertvolle Chance für die Natur im Siedlungsgebiet. Von einem naturnah gestalteten Umgebungsraum profitiert nicht nur die Artenvielfalt, auch für den Betrieb und die Mitarbeitenden ist dieser ein Gewinn: Verbessertes Mikroklima, geringere Abflusskosten und Stadthonig sind nur einige Vorteile. Die Stiftung Natur & Wirtschaft lancierte 2018 zusammen mit dem Verband der Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute und dem Schweizerischen Verband des Gas- und Wasserfaches ein Projekt, um mehr Natur auf die Betriebsareale von Abwasserreinigungsanlagen, Wasser- und Gasversorgern zu bringen. 

Vorzeigebeispiele und tatkräftige Unterstützung

Kern des Projekts war die Erhebung der Umgebungsflächen dieser Betriebe. Bereits naturnah gestaltete Flächen und solche mit Potenzial für mehr Natur wurden mittels Umfrage erfasst. Interessierten Betrieben hilft die Stiftung bei der nachhaltigen Aufwertung ihres Areals und unterstützt damit auch die Gemeinden in ihrem Bestreben für mehr Biodiversität. Vorbildlich gestaltete Areale können andere Betriebe inspirieren und eine Zertifizierung beantragen.

Begleitend zur Erhebung erschien eine Artikelserie in der Fachzeitschrift Aqua & Gas. Hier wurden Chancen, Nutzen und konkrete Massnahmen anhand von Beispielen vorgestellt. Aus den Bereichen Abwasserentsorgung, Wasser- und Gasversorgung begleitet die Stiftung bereits 40 Betriebe mit ihrem Fachwissen. 

Artikel "Mehr Natur auf dem Betriebsareal"

Artikel "Lebendiges Betriebsareal"

Artikel "Kühlendes Grün gegen die Sommerhitze"

Artikel "Von einer naturnahen Gestaltung profitiert das Image der ARA"

 

Für mehr Natur in Luzerner Gemeinden

Für mehr Natur in Luzerner Gemeinden

Eine naturnah gestaltete Umgebung von Unternehmen und Wohnbauten hat viele Vorteile: Die Menschen, die dort leben und arbeiten, fühlen sich wohler. Die naturnahe Umgebung steigert den Wert der Immobilie. Und nicht zuletzt sind naturnahe Flächen im Siedlungsraum ein willkommener Ersatz für jene Flächen, die durch die zunehmende Zersiedelung anderswo verloren gehen.

Gemeinden als Multiplikatorinnen

Im Auftrag der Regionalkonferenz Umweltschutz suchte die Stiftung Natur & Wirtschaft im Raum Luzern einerseits nach naturnahen Wohn- und Firmenarealen, die auszeichnungswürdig sind, andererseits nach Partnern, um neue naturnahe Flächen zu generieren. Die Stiftung arbeitete dazu mit den Gemeinden zusammen. Gemeinsam wurden mögliche Partner wie Bauherren, Planerinnen und Immobilienbesitzer angegangen, die vielversprechende Areale besitzen oder betreuen. Das Potenzial für naturnahe Umgebungsgestaltungen in der Region ist gross und so auch der Bedarf an Beratung und Vernetzung.

Dank dem dreijährigen Projekt, das Ende 2018 seinen Abschluss fand, entstanden mehrere naturnahe Umgebungsräume und lokale Vorbildareale. Verschiedenste lokale Akteure wurden sensibilisiert und damit eine erste Basis für ein Umdenken in der Aussenraumgestaltung gelegt. Finanziell unterstützt wurde die Leistung der Stiftung von der Regionalkonferenz Umweltschutz.