Das kleine Wunder von Wimmis

Der Luchs streift durch sein Revier. Wir stehen im Steinbruch Oberacher, ob Därligen und David Schüpbach erzählt. Er hat die scheue Wildkatze hier beobachtet und vieles mehr: Die grösste Population von Gelbbauchunken im Berner Oberland lebt auch hier. Orchideen gibt’s und der Laich der Grasfrösche liegt bereits in den vielen Tümpeln, obwohl der März erst begonnen hat. David Schüpbach ist stolz. Er hat allen Grund dazu. Die KIESTAG Kieswerk Steinigand AG (Vigier Beton Berner Oberland), die er seit Jahrzehnten leitet, macht in den 14 Abbaustellen, die im ganzen Berner Oberland verteilt sind, nicht nur gute Geschäfte, sondern als Firma auch viel mehr für die Natur als die meisten sonst in der Schweiz. „Wir müssen mit der Natur zusammenarbeiten, nicht gegen sie.“, lautet Schüpbachs Credo. Und so ergreift er in seinen Abbaustellen jede Möglichkeit, die sich ihm bietet, um der Natur etwas zurückzugeben. „Wir nehmen ihr etwas weg in Form von Steinen und Kies und geben ihr etwas zurück in Form von Tümpeln, Hecken, renaturierten Bächen, Ruderalflächen, Magerwiesen, Trockenmauern usw.“, sagt Schüpbach.

Und Schüpbach ist grosszügig. Es gibt kaum etwas im Naturschutzkatalog, das bei ihm nicht zu finden ist. Er baut auch mal eine Fischtreppe, wenn es sinnvoll ist. Oder eine Unterführung in den Kiesabbau, damit ein kleiner Bach weiterhin oben durchfliessen kann – und damit der Bach nicht einfach schnurgerade durch die Wiese fliesst, gibt er ihm etwas mehr Platz, lässt ihn mäandrieren und leitet ihn ein paar hundert Meter weiter unten auch noch um, damit er eine Anlage mit einem Dutzend Teichen bewässert. Den Dohlenkrebs, die Groppe und auch die Gelbbauchunke freut’s. Und Schüpbach freut sich mit ihnen. Er ist dort draussen zuhause, nicht nur wenn er Kies abbaut, auch an vielen Wochenenden; beobachtend, von der Natur lernend. Deshalb braucht er auch keine grossen Planungen. Was er macht, macht er effizient und zielstrebig; vieles ist der Natur abgeschaut, anderes wird einfach ausprobiert.

Auch die Naturschutzorganisationen freuen sich. „Wir arbeiten seit Jahren miteinander zusammen.“, erklärt Schüpbach. Beide Seiten hören einander zu, nehmen einander ernst und wissen voneinander, dass sie im Gegenüber einen starken Partner haben. So sind in den vergangenen Jahren rund 200'000 Quadratmeter Naturfläche entstanden. Aber nicht nur das: In diesen Flächen wird auch gearbeitet und gelernt. Zivildienstleistende, Jungjäger, Jugendnaturschutzgruppen und viele Schulklassen und Besucher erleben hier Natur, machen Erfahrungen, die sie sonst nirgendwo mehr machen können. Und immer wenn jemand eine Idee hat, findet er bei David Schüpbach ein offenes Ohr. Oder bei einem seiner Mitarbeiter. Denn Naturschutz gehört zur Firmenkultur und wird von allen gelebt. Deshalb wird dieses grossartige Naturschutzprojekt auch weitergehen, wenn Schüpbach dereinst das Tagesgeschäft abgibt. Es ist ihm gelungen, der Natur etwas zurückzugeben und diesen Geist in den Herzen und Köpfen seiner Mitarbeiter zu verwurzeln und gleichzeitig auch die Öffentlichkeit in diese Aktivitäten miteinzubeziehen. In dieser Grösse und Konsequenz ist das einmalig in der Schweiz! Deshalb kann man seine Werke ohne Übertreibung als kleines Wunder von Wimmis bezeichnen.