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Gartenschönheit durchs ganze Jahr

 

„Es wird durchgeblüht“ – so heisst der Titel eines 1968 erschienenen – und seither mehrfach neu aufgelegten Buches von Karl Foerster (1874-1970). Foerster war ein in Fachkreisen bestbekannter Gartenphilosoph, Buchautor und Staudenzüchter und zweifelsohne einer der bedeutendsten Erneuerer der europäischen Gartenkultur seiner Zeit. Was er mit seinem für mitteleuropäische Klimaverhältnisse provokativen Titel sagen wollte – der Autor lebte bei Potsdam im winterkalten Brandenburg – ist dies: Gärten sollen übers ganze Jahr hindurch ansprechend, interessant, schön sein!

Worauf es ankommt? Lesen Sie hier weiter…

 

Tipps zur Gestaltung und Pflege Ihres Ganzjahresgartens

  

  • Erkennen und nutzen Sie die Eigenheiten des Lokalklimas: Klar, dass in einer wintermilden Region das Ziel ganzjähriger Attraktivität leichter zu erreichen ist. Aber auch Schnee, Eis und Rauhreif können einen winterlichen Garten verzaubern! 
  • Erkennen und nutzen Sie die mikroklimatischen Standorte innerhalb des Gartens: besonders geschützte, milde Bereiche etwa, im Gegensatz zu Frostmulden und zügigen Ecken. Für Winterblüher sind nur die mildesten Plätze gut genug.
  • Kennen Sie Winterblüher? Im Frühjahr und Sommer schwelgen unsere Gärten im Farbenrausch vielfältiger Blüten. Vom Spätherbst bis zum Frühjahr wird’s dann ziemlich dünn. Doch auch für die kühlere Jahreszeit steht uns – eine allerdings bescheidene – Auswahl attraktiver Blüher zur Verfügung. Unter den einheimischen, mitteleuropäischen Pflanzen etwa der Seidelbast (Daphne mezereum), die Schneeheide (Erica carnea), sowie mehrere Christrosenarten (Helleborus niger, H. foetidus). Exoten und Gartensorten erweitern das Sortiment beträchtlich – einige heisse Tipps heissen Hamamelis, Lonicera x purpusii, Jasminum nudiflorum, Chimonanthus praecox, Prunus incisa. Nicht zu vergessen die vielen kleinen Vorfrühlingsblüher: Crocus, Schneeglöckchen und Märzenbecher, Anemonen, Scilla mischtschenkoana u.a.
  • Modellieren Sie das Gelände: Harmonische Bodenformen wie Hügel und Tälchen können aus einer langweiligen Fläche eine interessante Gartenlandschaft entstehen lassen.
  • Achten Sie auf die Raumbildung: Form, Proportion, Harmonie der Räume schaffen Wohlbefinden – oder auch nicht.
  • Achten Sie auf Qualität und Materialwahl der festen Strukturen: Wege, Plätze, Mauern, Steine wirken gerade dann am stärksten, wenn die Vegetation zurücktritt.
  • Wichtig: Die Pflanzengestalt. Form, Grösse, Struktur und Textur der Pflanzen beeinflussen die ästhetische Qualität weit nachhaltiger als etwa Blüten.
  • Pflanzen Sie auch immergrüne Gehölze: Sie verleihen dem Garten ein konstantes Gerüst und sind von grosser ökologischer Bedeutung. Hier finden zahlreiche Tiere – namentlich Vögel – ganzjährig Schutz vor Kälte, Regen, Schnee und Wind, aber auch vor Feinden. Immergrüne Gehölze sind auch bevorzugte Niststandorte.
  • Spielen Sie mit Blattfarben, vor allem bei Immergrünen. Sie sind starke und dauerhafte Gestaltungselemente und tragen viel zur Grundstimmung eines Gartens bei.
  • Schenken Sie Ihrem Garten einige attraktive Herbstfärber. Die Herbstfärbung lässt Gärten und Landschaften vor dem Winter noch einmal aufleuchten. Unter den einheimischen Gehölzen gehören etwa das Gemeinde Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), der Rote Hornstrauch (Cornus sanguinea), sowie der Perückenstrauch (Cotinus coggygria) zu den Favoriten – bei den Fremdändern u.a. Hamamelis, Fothergilla, Acer palmatum, Amelanchier.
  • Früchte und Samenstände behalten ihre Schönheit oft bis tief in den Winter und bieten auch Vögeln Nahrung in harter Winterzeit. Schnee und Rauhreif verzaubern sie.
  • Haben Sie, lieber Leser, liebe Leserin, schon einmal Rinden und Borken von Bäumen und Sträuchern etwas eingehender angeschaut, sich an ihrer Eigenart und Schönheit erfreut ? Birken, Espen, Kiefern, Kirschen?
  • Heissen Sie Wildtiere willkommen: Verschiedene Meisenarten, der Kleiber oder der Trauerschnäpper ziehen in Nistkästen ihre Jungen auf. Ein reiches, vielfältiges Angebot an Blüten und Nahrungspflanzen, Unterschlüpfe mannigfacher Art, Wildbienenhotels etc. bilden die Grundlage für ein reiches Tierleben auch im Winter. Wichtig: der Verzicht auf Pestizide!
  • Bildende Kunst: Plastiken, Skulpturen, Brunnen haben eine starke Ausstrahlung. Ihre sorgfältige Auswahl ist für die Gartenstimmung entscheidend.

Alle diese Aspekte und Elemente – und noch einige mehr – sind bei der Gestaltung eines ganzjährig schönen Gartens bedeutend – ob gross oder klein, ob Privatgarten oder Industrieanlage. Das Ganze ist jedoch mehr als die Summe seiner Teile. Die hohe Gartenkunst liegt in der Komposition, im harmonischen Zusammenfügen zu einer stimmigen und begeisternden Gartenlandschaft, welche uns im Innersten erhebt und wohltut.

Ich wünsche Ihnen viel Freude an Ihrem Garten durchs ganze Jahr!

Fritz Wassmann, Neuenegg/Hinterkappelen

Unterlagen

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